Die Weihnachtszeit kommt auf uns zu, mit all ihren Verführungen und Verlockungen. Spätestens am Heiligen Abend ergeben sich die meisten im Kreise der Familie der hemmungslosen Völlerei. Doch es gibt Menschen, die sich solchen „Fressgelagen“ regelmäßig hingeben und zumeist auch allein. Binge Eating Disorder ist die häufigste Essstörung in Deutschland und doch wird sie nur sehr selten offiziell diagnostiziert. Das Internet- Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet.
Das englische Wort für Fressgelage, „binge“, ist der Namensgeber für die in Deutschland am häufigsten auftretende Essstörung. Schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Deutsche leiden daran. Die sogenannte Binge Eating Disorder, kurz BED, ist zugleich aber auch eine Krankheit ohne offizielle Diagnose. In den ICD 10-Standards, in denen alle Krankheiten aufgeführt sind, gilt BED als „nicht näher bezeichnete Essstörung“ oder als „Essattacke bei sonstigen psychischen Störungen“.
Binge Eating Disorder: Heißhungerattacken ohne Sättigungs- oder Völlegefühl
Menschen mit BED haben immer wieder Heißhungerattacken, während derer sie sehr große Mengen an Nahrungsmitteln wörtlich verschlingen. Sie essen ohne Sättigungs- oder Völlegefühl, bis der Magen schmerzt und haben dabei keinerlei Kontrolle mehr über ihren Konsum. Oft essen sie allein, weil sie sich dafür schämen. Im Gegensatz zu Bulimie-Kranken, die solche Attacken auch haben, versuchen „Binge Eater“ hinterher nicht, ihr Essen zu erbrechen, oder durch übermäßigen Sport die überhöhte Kalorienzufuhr zu beeinflussen.
Bei Binge Eating Disorder bieten Kalorien einen Gefühlsersatz
Auch, wenn die Ursachen von BED noch wenig erforscht sind, kann man doch davon ausgehen, dass hier die Psyche eine ähnlich große Rolle spielt, wie bei anderen Essstörungen. Bei BED Betroffenen geht die Wissenschaft davon aus, dass das Essen unter anderem einen Ersatz für den Ausdruck von Gefühlen bietet. Viele Betroffene haben Probleme damit, ihre Emotionen zu artikulieren. Und statt zu weinen, oder sich Konfliktsituationen zu stellen, essen sie.
Ein weiterer Faktor, den Experten für die Entstehung von BED verantwortlich machen, sind Diäten. Das Idealbild, vor allem der Frau, hat sich seit den 50er Jahren stark verändert. An Schaufensterpuppen der verschiedenen Epochen haben finnische Forscher nachgewiesen, wie stark die Veränderung tatsächlich ist. Die heutigen Puppen könnten, wären sie reale Frauen, weder menstruieren noch Kinder gebären. Weil es so gut wie unmöglich ist, heutigen Idealen zu entsprechen, versuchen viele es mit Diäten, die schnellen Erfolg versprechen. Manche zügeln ihr gesamtes Essverhalten und verwehren sich jeglichem Genuss. In den Heißhungerattacken holt sich der Körper dann, was er entbehren muss. Hinterher fühlen sich die Betroffenen schwach, schämen sich und limitieren ihr Essen noch weiter. Der Heißhunger steigt wieder und die nächste Attacke kommt.
Die Ursache von Binge Eating Disorder behandeln, nicht nur die Symptome wie Heißhunger
Übergewicht ist früher oder später unweigerlich eine Folge der Attacken. Und Übergewicht hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Viel wichtiger aber, als diese zu behandeln, ist es, zuerst die eigentliche Ursache für die Attacken zu finden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Betroffenen in ihr altes Muster zurückfallen, wenn die Behandlung vorbei ist. Die Ansätze für eine Therapie von BED sind so vielfältig wie die Gründe für die Krankheit. Die besten Erfolge haben Experten aber, wie bei jeder anderen Essstörung auch, mit psychologischen Ansätzen. Psychologen empfehlen hier besonders die tiefenpsychologische Therapie und die Verhaltenstherapie, da beide an den eigentlichen Ursachen ansetzen und neue Verhaltensmöglichkeiten aufzeigen.
Auch über andere Essstörungen wie Bulimie und Magersucht können Sie sich mit Hilfe der imedo-Gesundheitsnews informieren.
