Die Angst vor Chemikalien, die aus Mehrwegplastikflaschen austreten könnten, bewegte schon einige, diese Behälter nicht mehr zu benutzen. In Versuchen konnten amerikanische Wissenschaftler nun aber feststellen, dass sich aus Plastikeinweglabormaterial ebenfalls Chemikalien lösen. Die Studie stimmt nachdenklich, denn nach Meinung der Forscher könnte dies die Ergebnisse von Experimenten verfälschen. Das Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet.
Chemikalien in Einweglabormaterial können medizinische oder biologische Experimente massiv stören. Wenn sich Desinfektions- oder Schmiermittel aus Plastikgefäßen oder Pipettenspitzen lösen, können diese beispielsweise die Aktivität und Bindungseigenschaften von Enzymen und Eiweißstoffen beeinträchtigen und so Analyseergebnisse verfälschen, wie kanadische Forscher berichten. Besonders relevant sei dieses Problem für Flüssigkeiten, die die Wisenschaftler in Plastikbehältern aufbewahren, schreiben die Forscher um Reid McDonald von der Universität von Alberta in Edmonton im Fachmagazin „Science“.
Bereits wenige Fremdstoffe hemmen Aktivität von Enzymen
Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass schon viel geringere Mengen von Fremdstoffen die Aktivität des menschlichen Enzyms namens MAO-B hemmen, als Experten bisher angenommen haben. Diese Hemmstoffe nutzen Produzenten auch zur Herstellung von Kunststoff, aus dem viele Laborutensilien bestehen.
Vermutlich viele Forschungsergebnissen durch Plastik verfälscht
Um die unerwünschten Nebenwirkungen genauer zu bestimmen, spülten die Wissenschaftler verdächtige Laborgeräte mit Wasser oder Methanol aus - Flüssigkeiten, die bei vielen Experimenten als Lösungsmittel dienen. Anschließend analysierten die Wissenschaftler die Bestandteile der Lösungen mit einem Massenspektrometer. Dabei fanden sie sowohl ein Desinfektionsmittel als auch ein Schmiermittel. Beide Substanzen konnten die Wirkung des MAO-Enzyms beeinflussen, zeigten weitere Experimente.
Vermutlich verfälschen solche Chemikalien viele Forschungsergebnisse, sagt Andrew Holt, der ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war. Eine Möglichkeit, die Wirkung solcher Stoffe zu umgehen, sei daher der Gebrauch von Glasgeräten. Eine zeitaufwendigere Lösung bestehe darin, alle Geräte vor dem Experiment sehr sorgfältig mit Alkohol oder Wasser auszuspülen und so die größten Mengen der Störsubstanzen zu entfernen.
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