Die Terroranschläge vom 11. September 2001 liegen nun schon Jahe zurück. Noch immer erinnern am 11.09. die TV- und Radioprogramme, das Internet und neue Verschwörungstheorien und Blogs zum Thema an die fatalen Ereignisse. Langsam allerdings wird weniger berichtet und die Wunden scheinen zu heilen - doch auch für die Betroffenen? Das Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet.
Während sich die Fernseh- und Radiostationen gerade in den ersten fünf Jahren nach den Anschlägen vom 11. September gegenseitig mit Dokumentationen, Kommentaren und Liveübertragungen von der Verlesung der Namen der Toten am Ground Zero in New York geradezu übertrafen, positioniert sich das Ereignis langsam aber sicher auf den hinteren Plätzen der Nachrichten. Die Zeitung „USA Today“ stellte in ihrer Online-Ausgabe verwundert die Frage „Wird der 11. September ein Tag wie jeder andere im Kalender?“. Vereinzelt werden wieder Dokumentationen wie Michael Moores „Fahrenheit 9/11“ herausgeholt und gesendet, aber die ganz große Aufmerksamkeit kann dieses Datum nicht mehr auf sich ziehen. Doch wie sieht es mit den Betroffenen aus, mit Überlebenden, direkten Anwohnern, Angehörigen der Opfer? Heilen ihre Wunden auch so schnell?
Posttraumatische Belastungsstörung
Immer wieder heißt es, dass die Anschläge vom 11. September 2001 das amerikanische Volk in seiner Seele tief getroffen haben. Sicherlich sind die USA an diesem Tag schwer verwundet worden und nach außen als verletzlich erkennbar. Forscher haben zudem herausgefunden, dass viele Amerikaner tatsächlich entweder akute oder sogar chronische posttraumatische Belastungsstörungen, kurz PTBS, ausgebildet haben. Bei denen, die direkt betroffen waren, weil sie zum Zeitpunkt der Katastrophe entweder in der New Yorker Innenstadt lebten oder arbeiteten, ist das durchaus nachvollziehbar. Allerdings betreffen diese Störungen auch Menschen, die die Anschläge nur am Bildschirm verfolgten und gar nicht „live“ dabei waren. Ein Jahr nach den Anschlägen führten Forscher um den Psychologen William Schlenger, von 2001 bis 2003 Leiter des „RTI Center for Risk Behavor and Mental Health Research“ in Raleigh in North Carolina, eine Internetumfrage durch, laut der sich 11 Prozent der New Yorker bedroht fühlten. Bei der Umfrage wurde auch abgefragt, inwieweit die Befragten direkt mit den Ereignissen zu tun hatten oder sie nur am Fernseher verfolgt hatten. Die Umfrage ergab: Je länger die Menschen die immer wieder gezeigten Bilder von den brennenden Türmen, den Flugzeugen und Menschen in Panik gesehen hatten, desto bedrohter fühlten sie sich.
Die Angst bleibt
In einer anderen Studie von der Cornell University wurden Menschen untersucht, die am 11. September 2001 maximal zwei Kilometer von den Twin Towers entfernt wohnten. Ihre Ergebnisse wurden verglichen mit denen von Personen, die erst etwa drei Jahre nach den Anschlägen nach New York gezogen waren und am 11. September 2001 mindestens 300 Kilometer entfernt wohnten. Keiner der Teilnehmer durfte Verwandte oder Freunde durch die Anschläge verloren haben. Vermutet wurde, dass eine direkte Nähe zu den Anschlägen noch Jahre später eine erhöhte Aktivität der Amygdala, also des Zentrums im Gehirn, das für Angst zuständig ist, auslösen könne. Auch weitere Anzeichen von PTBS wurden vermutet.
Posttraumatische Belastungsstörungen noch lange nach traumatischen Erlebnissen
Allen Teilnehmern wurden Bilder mit angstvollen und ruhigen Gesichtern gezeigt. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Je dichter die New Yorker am Ground Zero, der Unglücksstelle, wohnten, desto eher berichteten sie auch vier Jahre nach den Anschlägen noch von Symptomen, die für eine PTBS typisch sind. Dazu zählen unter anderem Schlaflosigkeit, sogenannte Flashbacks, also plötzliche Erinnerungsbilder, die auch in Alltagssituationen aufblitzen oder emotionale Abstumpfung. Noch intensiver war die Amygdala-Aktivität bei denjenigen, die den 11. September als das schlimmste Trauma bezeichneten, das ihnen je widerfahren ist. Posttraumatische Belastungsstörungen können zwar auch ohne Behandlung nachlassen, allerdings oft nur sehr langsam. Die Psyche braucht lange, bis sie nicht mehr auf verdächtige Töne, Gerüche oder Situationen reagiert. PTBS können auch bei Soldaten im Krieg, bei Journalisten in Krisengebieten oder nach schweren traumatischen Erlebnissen wie Missbrauch, Vergewaltigungen oder Autounfällen auftreten.
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