Die Rückenschule ist ein biopsychosozial ausgerichtetes multimodales Rückenprogramm mit dem Ziel die "
Rückengesundheit" der Rückenkursteilnehmer zu fördern und einer
Chronifizierung von Rückenbeschwerden vorzubeugen. Begründet sind beide Leitziele in der schon lange bekannten Tatsache, dass von Rückenschmerzen quasi jeder betroffen ist,
Rückenschmerzen hohe Kosten verursachen (sozialökonomisches Problem) und Rückenschmerzen zur Chronifizierung neigen (individuelles Problem).
Deshalb unterstützt die Rückenschule den Menschen durch ein
mehrstufiges Programm darin, ein eigenverantwortliches, gesundheitsorientiertes und Risikofaktoren vermeidendes Handeln aufzubauen, das individuelle
Gesundheitspotential zu fördern und damit das
Wohlbefinden und die
Lebensqualität zu verbessern (Kempf 2008).
Sie finden die Rückenschule auch in den Therapieempfehlungen "Kreuzschmerzen" der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft 2007, im Handlungsleitfaden Prävention der Spitzenverbände der Krankenkassen 2010 und den Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz der Bundesärztekammer 2010.
Kennzeichen der "Neuen" Rückenschule
Die besonderen Kennzeichen der Neuen Rückenschule lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
- Salutogenetische und bio-psycho-sozialen Betrachtungsweise
- Bewegungs- und erlebnisorientierte Lernprozesse
- Evidenzbasierte und interdisziplinäre Ausrichtung
- Positiver Umgang mit Rückenschmerz
- Zielorientierte Auswahl der Praxisbausteine
- Modulartiges Baukastensystem
- Rückenschule als Kurssystem
- Multifunktion des Rückenschullehrers.
Zielgruppe der Rückenschule
Prinzipiell wendet sich die Rückenschule an alle Personen, die weitgehend schmerzfrei und belastbar sind und die keine behandlungsbedürftigen Erkrankungen haben. Besonderes Augenmerk liegt allerdings auf Menschen, die sich wenig bewegen (<1 Std. körperlicher Aktivität / Woche), die schon Rückenschmerzen hatten (besonders im vorhergehenden Jahr) und die Risikofaktoren für Rückenschmerzen aufweisen. Es gibt es wenige Personen, die nicht für eine präventive Rückenschule geeignet sind. Mit dem Ziel der Neuen Rückenschule ein Fortschreiten der Chronifizierung von Rückenschmerzen zu vermeiden, sind deshalb auch Teilnehmer mit
ärztlich abgeklärten unspezifischen Rückenschmerzen (vor allem) im frühen Stadium der Chronifizierung eine Zielgruppe. Bei chronischen Rückenschmerzen ist die Wirksamkeit der Rückenschule nachgewiesen, besonders wenn sie in ein
multimodales Programm eingebunden ist.
Rückenschul- und
Bewegungsprogramme sind deshalb von besonderer Bedeutung in der Behandlung von Rückenschmerzen (s.a. Kempf 2010, 2011)
Nutzen der "Neuen" Rückenschule für den Rückenschulteilnehmer
Da es sich bei der neuen Rückenschule um ein multimodales Programm handelt, kann der individuelle Nutzen für den Rückenschulteilnehmer naturgemäß unterschiedlich sein. Besonders hervorzuheben dass der Teilnehmer
- geeignete Bewältigungsstrategien zum Umgang mit seinen Rückenschmerzen erhält,
- seine körperliche, besonders seine "rückenspezifische" Leistungsfähigkeit verbessert,
- seine psychosozialen Potentiale stärken.
Bewegungs- und erlebnisorientierte Lernprozesse wollen die Teilnehmer begeistern, ein gesundheitsorientiertes und rückenfreundliches Verhalten aufzubauen und beizubehalten. Sie sollen ihren Rücken neu erleben, die Wirksamkeit verbesserter biopsychosozialer Ressourcen erfahren und den Nutzen für sich und ihre Rückengesundheit erleben. Die Neue Rückenschule will Freude bereiten, sowohl den Teilnehmern als auch dem Kursleiter.
Ein paar Tipps für einen gesunden Rücken im Alltag:
Dein Rücken ist geschaffen für Bewegung: er braucht Bewegung, eine Menge an Bewegung.
Bewegung ist besser als jede Pille. Wer sich bewegt, bringt sein Leben in Bewegung. Nutzen Sie Möglichkeiten Im Alltag, um sich in Schwung zu bringen.
Eine aufrechte Haltung hat viele Vorteile. Ziehen Sie sich deshalb im Alltag immer wieder an einen unsichtbaren Faden nach oben – körperlich und mental aufrecht.
Heben Sie wie ein Gewichtheber: nahe an der Last, aus der Hocke, mit stabilem Rücken.
Es gibt keine "falschen", höchstens ungünstige Haltungen oder Bewegungen. Günstig für die Wirbelsäule sind achsengerechte Bewegungen. Alle Bewegungen, die Ihnen gut tun, sollten Sie durchführen!
Aktive Muskelspannung und Bewegungskontrolle bieten den besten Schutz der Wirbelsäule. Trainieren Ihre Muskeln mindestens einmal die Woche.
Menschen, die aktiv mit ihrem Schmerz umgehen, leiden weniger, verspüren schneller Besserung und haben langfristig weniger Probleme. Verändern Sie Ihr Denken über Ihre Rückenschmerzen. Je schneller Sie aktiv werden, desto eher wird ihr Rücken wieder fit!
Gehen Sie bewusst mich sich und ihrem Körper um. Belohnen Sie sich, wenn Sie etwas Gutes getan haben.
Autor:
Hans-Dieter Kempf
Literatur zur Rückenschule und mehr Tipps für einen gesunden Rücken finden Sie unter:
www.rueckentraining.de und
www.dierueckenschule.de
- Kempf H-D: Die Rückenschule-Neuausgabe (34.Aufl.). Reinbek: Rowohlt; 2008
- Kempf H-D (Hrsg): Die Neue Rückenschule. Ein Praxishandbuch. Heidelberg: Springer; 2010
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