Die Schweinegrippe hat Deutschland nun endgültig erreicht und breitet sich weltweit immer mehr aus. Auch in den USA ist bereits ein Mensch an dem Virus gestorben. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt warnt zwar vor einer Verharmlosung der Grippe, bestätigt aber, dass Deutschland gut gewappnet ist. Das Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet.
Die Schweinegrippe breitet sich weiter aus. In Deutschland sind bisher drei deutsche Mexiko-Rückkehrer an der neuen Influenza erkrankt, wie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Mittwoch in Berlin sagte. Das Robert-Koch-Institut sieht derzeit für die deutsche Bevölkerung jedoch "keine allgemeine Gefährdung". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte von den Ländern vorsorglich die gebotenen Medikamente bereitzustellen. Experten hatten zuvor vor Engpässen beim Vorrat an Grippemitteln gewarnt.
Die drei deutschen Erkrankten sind RKI-Präsident Jörg Hacker zufolge nicht in Lebensgefahr. Sie zeigten grippeartige Symptome wie "relativ hohes Fieber". Bayerische Gesundheitsbehörden hatten zuvor mitgeteilt, dass eine Erkrankte aus Kulmbach mittlerweile "völlig beschwerdefrei" sei. Bei vier Fällen bestätigte sich dem Ministerium zufolge der Verdacht einer Infektion nicht. Bei zwei weiteren gebe es noch "keine abschließende Klarheit".
Meldepflicht bei Verdachtsfällen gefordert
Schmidt forderte unterdessen eine Meldepflicht von Ärzten bei begründeten Schweinegrippe-Verdachtsfällen. Eine entsprechende Verordnung werde derzeit auf den Weg gebracht, kündigte sie an. Derzeit bestehe lediglich eine Informationspflicht für Labore, die das neue Influenzavirus feststellten.
Trotz der erfolgreichen Behandlung von Erkrankten in den USA mit Medikamenten warnte die Ministerin davor, die Grippe "auf die leichte Schulter" zu nehmen. Die Behandlungserfolge seien jedoch "eine
Beruhigung". Im Falle einer Pandemie sollen die Deutschen zweimal gegen das Virus geimpft werden. Ein ausreichender Impfstoff sei mit den Herstellern vertraglich abgesichert, sagte Schmidt.
Hacker sagte, mit der neuen Grippe müsse sehr sorgfältig umgegangen werden. Es könnte sich derzeit möglicherweise um den Start einer globalen Grippe handeln. "Deshalb nehmen wir die wenigen Fälle ernst", betonte der RKI-Präsident. Eine allgemeine Gefährdung für die Deutschen schloss sein Institut derzeit jedoch aus.
Bundeskanzlerin Merkel forderte ein rasches Handeln der Behörden von Bund und Länder. Die Bürger müssten sich darauf verlassen können, dass in Deutschland alles Notwendige gegen die Krankheit unternommen werde.
Kein ausreichender Schutz für alle?
Derzeit verfügen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage des Internetportals lungenaerzte-im-netz.de nicht alle Länder über einen ausreichenden Vorrat an antiviralen Medikamenten. In Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg seien nur für 11 bis 14 Prozent der Bevölkerung Grippemittel eingelagert. Der nationale Pandemieplan gibt eine Bevorratung von mindestens 20 Prozent vor.
Nach Mexiko gab es nun auch in den USA den ersten Todesfall. Ein knapp zweijähriges Kind starb an dem Virus. Die mexikanischen Behörden haben indessen ihre Angaben zu der Zahl von an Schweinegrippe gestorbenen Menschen nach unten korrigiert. Bislang wurde das Virus demnach in sieben Fällen nachgewiesen.
Diagnose des Virus ist schwierig
Wegen dieser Korrektur kommen erste Zweifel an der Gefährlichkeit des A/H1N1-Virus auf. Alexander Kekulé, Mikrobiologe an der Universität Halle, sagte: "Die Diagnose des A/H1N1-Virus ist schwierig und unter den mexikanischen Gesundheitsbedingungen nicht möglich." Die nicht auf die Schweinegrippe zurückzuführenden Todesfälle bezeichnete er als "die ganz normalen Todesraten in einem Schwellenland". Nicht jeder, der an einer Lungenerkrankung sterbe, sei ein Epidemieopfer.
Das Virus ist auch in Kanada, Israel, Spanien, Neuseeland und Großbritannien ausgebrochen. Nach Angaben des RKI gibt es weltweit in 20 Ländern Verdachtsfälle. Am Donnerstag treffen sich die EU-Gesundheitsminister in Luxemburg, um über das weitere Vorgehen zu
beraten.
Weitere Informationen zum Thema Schweinegrippe finden Sie bei imedo.
