Kaffee (und nicht Bier) ist das meistgetrunkene Genussmittel der Deutschen. Eine Studie entlarvt nun die Wirkung des beliebten Muntermachers als reines Entzugsphänomen. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt in den Gesundheitsnews von imedo eine Pressemitteilung der Universität vor, die Koffein untersuchte, das unter anderem auch in Tee, Schokolade und Cola enthalten ist:
Die
stimulierende Wirkung von Koffein könnte nichts weiter als
Einbildung sein. Denn die Studie zeigt, dass die gewohnte morgendliche Tasse Kaffee in Wirklichkeit zu nichts Nutze ist. Dafür testete das englisch-deutsche Forscherteam die Wirkung von Koffein oder einem Placebo an 379 Versuchspersonen, nachdem sie sechzehn Stunden lang kein Koffein zu sich genommen hatten. Die Tests wiesen
kaum Unterschiede bei der
Munterkeit der Versuchspersonen nach.
Die Studie, die online in
Neuropsychopharmacology veröffentlicht wurde, macht offenkundig, dass regelmäßige Kaffeetrinker eine
Toleranz gegenüber den Angst auslösenden und stimulierenden Wirkungen von Koffein entwickeln. Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, mögen vielleicht das Gefühl haben, davon munter zu werden. Doch die Ergebnisse belegen, dass dieser Eindruck in Wirklichkeit nur auf der Reduktion der
Ermüdungserscheinungen bei akutem
Koffeinentzug beruht. Und wenn man die Angst auslösenden und Blutdruck steigernden Effekte von Koffein berücksichtigt, hat der Kaffeetrinker netto gar keinen Nutzen.
Nur Wiederherstellung des „Normalzustands“
Peter Rogers von der Abteilung Experimentelle Psychologie der
University of Bristol in Großbritannien und erster Autor der Studie, erklärt: „Unsere Untersuchung zeigt, dass Menschen vom Koffeinkonsum keinerlei Vorteile haben – obwohl wir das Gefühl haben, davon munter zu werden, stellt das Koffein lediglich den Normalzustand wieder her. Andererseits bedeutet
Toleranz auch, dass obwohl Koffein
Angstgefühle verstärken kann, dieser Effekt bei den meisten Koffeinkonsumenten kaum zutage tritt.”
Knapp die Hälfte der
Versuchspersonen nahm für gewöhnlich kein oder nur wenig Koffein zu sich und die andere Hälfte dagegen mittel bis viel. Für die Tests erhielten die Versuchspersonen entweder Koffein oder ein Placebo. Vorher und nachher gaben sie an, wie
ängstlich und
wach sie sich fühlten, und ob und wie stark ihre
Kopfschmerzen waren. Außerdem absolvierten sie verschiedene psychologische Tests am Computer, mit denen ihr Gedächtnis, ihre
Aufmerksamkeit und ihre Wachsamkeit bzw. Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum gemessen wurden.
Kaffeetrinker sind nicht munterer als andere Menschen
Die mittel/starken Koffeinkonsumenten, die das Placebo erhalten hatten, gaben an, sich müder zu fühlen und stärkere Kopfschmerzen zu haben, nicht jedoch die Versuchspersonen, die Koffein erhalten hatten. Aber nach der
Koffeingabe waren starke Koffeinkonsumenten
nicht wacher als geringe Koffeinkonsumenten, die ein
Placebo erhalten hatten. Das zeigt, dass Koffein bei Kaffeetrinkern lediglich den „Normalzustand” wiederherstellt.
Außerdem stellten die Autoren fest, dass sich Menschen, die eine genetische
Veranlagung zur
Ängstlichkeit haben, dadurch nicht vom Kaffeetrinken abhalten lassen. Tatsächlich tranken Menschen mit der Genvariante für erhöhte Ängstlichkeit sogar etwas mehr Kaffee als Menschen ohne diese Genvariante, was darauf hindeutet, dass ein leichtes Angstgefühl mit zu der wohlig anregenden Wirkung von Kaffee gehören könnte.
Quellen:
Dr. Rose Shaw, Blog
Psychologie Aktuell,11. Juni 2010
University of Bristol, 2.6.10
Rogers et al.
Neuropsychopharmacology, Juni 2010
Zur Autorin:

Dr. Rose Shaw
Die Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin mit Praxen in München und Düsseldorf ist zugleich Lehrtherapeutin und Dozentin für verschiedene Ausbildungsinstitute. Einige ihrer Fachgebiete: Verhaltenstherapie bei Erwachsenen und Kindern, Klinische Hypnose, Behandlung von traumatischen Störungen, Prüfungs- und Auftrittsangst, kindlicher Adipositas u.v.m. Neben Artikeln in Lehrbüchern und Fachzeitschriften publizierte die Psychologin auch verschiedene Bücher als Co-Autorin. Mehr von Frau Dr. Shaw in Ihrem Blog Psychologie Aktuell unter
www.praxis-dr-shaw.de/blog
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